Was macht einen guten Comic aus? Mein Bewertungssystem erklärt

Was macht einen guten Comic aus? Mein Bewertungssystem erklärt

Ich habe mir einige Gedanken darüber gemacht, was mir persönlich bei einem Comic am wichtigsten ist und wie man diese Aspekte am besten in einer Kritik transparent und nachvollziehbar darstellen könnte.

Der Aufbau eines Comics ist klar: Es gibt eine Geschichte, die in zusammenhängenden Zeichnungen erzählt wird. Demzufolge sind diese beiden Aspekte schon mal sehr wichtig. Aber was macht den Unterschied aus zwischen „Ochja, war ganz ok“ zu „WOW! Gleich nochmal lesen!“?

Natürlich sollte der Comic eine interessante, mitreißende und spannende Geschichte beinhalten, toll gezeichnet sein und Charaktere zeigen, mit denen man sich identifizieren kann. Aber das trifft auf viele Werke zu, was ist das gewisse Etwas, was den Unterschied macht? Das Zusammenspiel, oder um es mit Dieter Bohlen zu sagen „Das Gesamtpaket“. Die beste Geschichte, so spannend sie auch ist, wird als Comic vermutlich untergehen, wenn die Zeichnungen miserabel sind und der Erzählstil unterirdisch. Andersherum kann ein Comic zwar die Augen erfreuen, wenn die Zeichnungen brillant sind, aber ist die Geschichte dahinter lausig, verkommt der Comic einfach zum Bilderbuch.

Aber was ist nun wichtiger? Die Qualität der Zeichnungen oder die der Geschichte? Da kommen wir zu dem Hauptproblem von Kritiken: Die eigene Meinung. Welche Aspekte wichtiger sind, hängt nämlich davon ab, was einem persönlich besser gefällt. Der eigene Geschmack gehört zum „Gesamtpaket“ dazu. Aber wie soll ich denn nun ein Comic bewerten, so dass die Leser selbst entscheiden können, welche Aspekte wichtiger sind und trotzdem eine Hilfestellung erhalten?

Ganz einfach: Ich spalte meine Kritik in folgende Bereiche auf:

  • Erzählstil
  • Zeichenstil
  • Geschichte
  • Charaktere
  • Erwartungen erfüllt

Die 5 Aspekte meiner Comic Reviews im Detail erklärt

 Der Erzählstil beinhaltet die Art und Weise, wie die Geschichte transportiert wird. Wie wird von Panel zu Panel geführt? Wie ist die Erzählstruktur geregelt? Wie werden Hintergrundinfos eingestreut? Wie werden die zeitliche Abfolge und Ortswechsel angezeigt? Wie ist die Qualität von Dialogen und sonstigen Textelementen? Gefällt der Schreibstil? Passt er zur Geschichte?

 Der Zeichenstil beinhaltet das Augenfällige: Die Qualität der Zeichnungen. Wie gut können die Zeichnungen die Emotionen der Charaktere wiederspiegeln? Sind die Schauplätze und Charaktere interessant genug, um einen zu fesseln? Wie viel Details sind jeweils zu sehen? Passt der Zeichenstil zur Geschichte? Passen die Zeichnungen und Textinhalte zusammen und ergänzen sich gegenseitig? Transportieren die Zeichnungen die Geschichte und sind nicht nur Dekoration?

 Die Geschichte fällt vermutlich gänzlich in den Bereich des Autoren. Ist die Geschichte spannend? Mitreißend? Fesselnd? Emotional berührend? Sind die Wendungen überraschend oder vorhersehbar? Sind die Handlungsstränge gut ausgearbeitet und treiben die Geschichte voran? Beinhaltet die Geschichte neue, innovative Ideen, oder ist es nur ein Aufguss bereits bekannter Elemente?

 Die Charaktere sind unsere direkte Verbindung zur Geschichte. Sind sie gut ausgearbeitet? Ihre Handlungen, Motivationen und Intentionen nachvollziehbar? Ihr Wesen interessant und vielschichtig? Ihre Beziehungen zueinander gut aufgebaut und nachvollziehbar? Kann man sich mit den Charakteren identifizieren? Sind die Protagonisten sympathisch und die Antagonisten bedrohlich? Ist der Antagonist nachvollziehbar? Kann man ihn und seine Beweggründe ernstnehmen?

 Wurden die Erwartungen erfüllt? Ja, welche Erwartungen eigentlich? Wenn man einen Klappentext liest, baut man unweigerlich eine Erwartungshaltung auf. Wenn man ein Genre kennt, erwartet man bestimmte Aspekte davon in dem Werk wiederzufinden. Wenn man einen Charakter bereits kennt, erwartet man, dass er einen bestimmten Look hat, und eine bestimmte Wesensart und dass bestimmte andere Personen, die mit diesem Charakter zusammenhängen auch in diesem Werk auftauchen und sich diese ebenfalls wie erwartet verhalten. Wenn das Werk ein Sequel ist, erwartet man, dass die Geschichte des Vorgängerwerks weitererzählt wird. Und so weiter und sofort.

Nerderlei Comic Bewertungsskala - Robot-Maskottchen 'ND-42-RE' (Nerderlei 42 Robot Emoticon)

In meine Gesamtwertung, die in einer Prozentzahl ausgedrückt und zusätzlich durch einen meiner Robot-Maskottchen visualisiert wird, fließen alle 5 genannten Bereiche ein, werden aber auch einzeln bewertet. Jeder Bereich wird mit maximal 10 Punkten bewertet und erhält eine Beschreibung, was jeweils zu dieser Wertung geführt hat. Was ich gut fand, was ich schlecht fand und wieso das so ist.

So könnt ihr hoffentlich meine Bewertung besser nachvollziehen und besser für euch selbst entscheiden, ob dieser Comic euch gefallen könnte oder nicht.

Was haltet Ihr von meinem Bewertungssystem? Schätze ich es richtig ein, oder habe ich etwas übersehen? Könnte ich etwas daran verbessern? Schreibt es mir gerne in die Kommentare.

Meine erste Comic Review nach diesem Prinzip, könnt ihr hier ansehen: Lady Mechanika – Band 1: Das Geheimnis der mechanischen Leiche

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Autorin dieses Blogs

Nerderlei Autorin Anne
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Anne

Seit 1984 ist Anne ein Vollblut-Nerd und seit 2017 Autorin des Blogs Nerderlei. Sie schreibt über Filme, Videospiele, Comics und Romane der Genres Science-Fiction, Cyberpunk und Fantasy, aber auch über Technikneuheiten (z.B. künstliche Intelligenz oder Virtual Reality) und Merchandising-Artikel. Dazu gibt es jeweils Reviews, Blogbeiträge bzw. Meinungsartikel und News. Besonders im Fokus werden dabei u.a. folgende Marken stehen: Disney, Star Wars, Star Trek, Marvel, DC. Weitere Informationen zum Blog oder zum Nerderlei-Werdegang der Autorin findest du hier.

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