Tomb Raider: Die neue Lara Croft stellt sich vor

Tomb Raider: Die neue Lara Croft stellt sich vor

Lara Croft war bereits seit den 90er Jahren bekannt, als schießwütige und abenteuerlustige Milliardärin mit einem Hang zu geheimnis- und wertvollen Artefakten, die im Grunde nur unter Einsatz des eigenen Lebens gefunden oder geborgen werden konnten. Damals waren ihre weiblichen Attribute das wahrscheinlich herausragendste oder herausstechenste Merkmal der sehr populären Spielereihe, was viele männliche Nerds zu verzücken vermochte.

Ich erinnere mich noch daran, dass ich einmal ein spezielles Cinch-Kabel benötigte und deshalb in den hiesigen Elektronikladen gehen musste. Dort kam gerade an diesem Tag eine Lebensgroße Kopie von Lara Croft als Pappaufsteller an. Die gesamte männliche Belegschaft, die mir bei der Suche eventuell behilflich hätte sein können, war aus diesem Grund nicht mehr ansprechbar. Ein Bild für die Götter. Eine Menschentraube von Männern um einen Pappaufsteller einer fiktiven weiblichen Person und alle starrten nur auf eine bestimmte Stelle und geiferten ein klein wenig. Nunja. Ich fand zum Glück mein Kabel auch ohne fremde Hilfe. Schade nur, dass es damals noch keine Smartphones gab, sonst hätte ich euch dieses Schauspiel direkt als Bildbeweis präsentieren können.

Neben den üppigen weiblichen Attributen, gab es in den Spielen natürlich auch reichlich Action und diverse, manchmal recht knifflige Rätsel. Ich fand das Spiel natürlich auch klasse, wegen den Rätseln. Aber eine richtige tiefergehende Story gab es damals soweit ich mich erinnern kann nicht wirklich. Die darauf basierenden Filme mit Angelina Jolie in der Hauptrolle waren deshalb ganz ähnlich angelegt. Viel Action, viel zum gucken für männliche Nerds, wenig tiefergehende Story.

Square Enix wollte für ihren Reboot der Spieleserie 2013, vermutlich aufgrund des großen Erfolgs von Uncharted, eine ganz neue Richtung mit der Figur Lara Croft einschlagen. Sie sollte realistischer werden, mit mehr, viel mehr Tiefgang. Man wollte die Geschichte erzählen, wie aus dem Mädchen Lara Croft die bekannte Heldin werden konnte. Was ist ihre Motivation? Was für ein Mensch ist sie? Was will sie genau erreichen und warum? Square Enix ist es tatsächlich gelungen ein Tomb Raider zu erschaffen, dass Uncharted sogar ebenbürtig sein könnte. Ein klasse Spiel mit viel Survival-Action, Rätseln und gescripteten Storyelementen, die sehr fesselnd, mitreißend und cineastisch aufgebaut wurden. Der Spieler kann nun endlich auch eine emotionale Bindung zum Spielgeschehen aufbauen, mit Lara mitfiebern, und will ebenfalls, genau wie Lara, erfahren wie es weitergeht. Ich liebe dieses Spiel. Es ist wie ein gutes, fesselndes Buch. Man kann es kaum weglegen.

Der Film, den ich heute hier bewerte, bezieht sich auf den ersten von bislang drei Teilen des erwähnten Reboots von Square Enix.

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Fakten

Handlungszusammenfassung

Listen der Darsteller und Filmcrew, Fakten und Handlungszusammenfassung stammen von „The Movie Database“ (TMDB).

Kritik

Als ich hörte, dass diese Spielvorlage verfilmt werden sollte und Alicia Vikander die Hauptrolle (Lara Croft) spielen wird, war ich sehr gespannt, was daraus werden würde. Sie ist meiner Meinung nach die absolute Traumbesetzung der neuen Lara Croft. Die ersten Trailer versprachen auch eine ziemliche Nähe zum Spiel, was mir sehr gefiel. Einige wenige Szenen wurden auch beinahe 1:1 vom Spiel übernommen.

Vikander glänzte bereits in den kurzen Trailerausschnitten und verkörpert Lara Croft sehr glaubhaft. Man kauft ihr die Rolle zu jeder Sekunde des Films ab. Die anderen Darsteller des Films verblassen jedoch neben ihr, was nicht unbedingt an ihrem jeweiligen Schauspiel liegt, sondern eher am Drehbuch. Besonders der Antagonist wird sehr flach gezeichnet. Der Zuschauer erfährt überhaupt nichts über seine Motivation oder seine Person an sich. Was erhofft sich diese ominöse Geheimorganisation „Trinity“, in dessen Auftrag er agieren soll, von dem Fund auf der Insel? Was weiß der Antagonist über die Organisation? Wieso agiert er überhaupt in deren Auftrag? Was hat er davon? Warum genau ist er auf dieser Insel? Alles Fragen, die meiner Meinung nach wichtig gewesen wären, um eine Emotionale Tiefe aufzubauen. Im Spiel wurden sie auch beantwortet, im Film bleiben sie aber leider offen. Sehr schade. Hier verspielt der Film sehr viel Potential, was unnötig gewesen wäre. Deshalb gibt es von mir an dieser Stelle schon mal 3 Punkte Abzug für die Story.

Ich weiß ich habe Alicia Vikander gerade wegen ihres Schauspiels gelobt, aber ganz so perfekt ist es leider doch nicht. Lara Croft erhält im Laufe des Films viele schlimme Verletzungen. Sie überlebt nur mit Mühe einen schlimmen Schiffbruch, fällt tief, ein Metallteil eines Flugzeugwracks bohrte sich ihr seitlich in den Bauch, sie wird mehrfach übel verschlagen – aber das alles scheint sie nicht wirklich zu kümmern oder zu behindern. Sie läuft und klettert und kämpft nach kurzer Zeit wieder als wenn sie kerngesund und niemals auch nur eine der genannten Blessuren erlitten hätte. Liegt das nun an ihrem Schauspiel, am Drehbuch oder am Regisseur? Ich weiß es nicht und ziehe deshalb 2 Punkte von der schauspielerischen Leistung und 1 Punkt von der Story ab. Was heutzutage ebenfalls nicht mehr sein muss, sind schlechte Spezialeffekte. Es gibt eine Blue- oder Greenscreen-Szene, bei der Lara an einem Fallschirm hängend durch den Urwald brettert. Das sieht äußerst künstlich aus und man sieht sehr deutlich, dass es in einem Studio gedreht wurde. Die übrigen CGI Effekte sind vielleicht nicht überragend, aber durchaus ok. Nur diese Fallschirmszene fiel mir direkt störend auf. Deshalb gibt es im Bereich Kamera und Effekte auch gleich 2 Punkte Abzug.

Das wars jetzt erstmal mit der technischen Beurteilung. Aber wie Nah ist denn nun der Film am Spiel? Hierauf kann ich nur eingehen mit einpaar zarten Spoilern. Also wer das Spiel noch nicht gespielt hat sei hiermit gewarnt.

Spoiler anzeigen

Naja, wie bereits erwähnt sind wenige Szenen beinahe 1:1 übernommen worden. Aber viel ist vom Spiel trotzdem nicht mehr übriggeblieben. Gerade an den Charakteren wurde sehr gespart. Die meisten tauchen überhaupt nicht im Film auf. Der Antagonist ist im Spiel nicht von Anfang an als solcher bekannt, hier wird er ziemlich gleich und sehr plump offenbart, was der Story zusätzlich Spannung raubt. Auch seine (angebliche) Freundschaft zu Lara hat im Spiel eine wichtige Rolle, im Film ist er für Lara ein gänzlich unbekannter Mensch. Die Insel, die im Spiel sehr bedrohlich dargestellt wird, ein Eigenleben zu haben scheint und seine Bewohner vom Abreisen zu hindern versucht – ob nun mit einem Boot oder Flugzeug – wird im Film auch eher zweit- oder drittrangig behandelt. Dass es auf der Insel einen speziellen Kult gibt, der das was im hier gesuchten Grabmal zu finden glaubt anbetet und wieder zum Leben erwecken möchte, wird im Film einfach weggelassen und durch die Trinity-Organisation ersetzt. Das entzieht der filmischen Story nicht nur Tiefe, sondern vor allem den Sinn, warum die Gegenspieler von Lara unbedingt die Geheimnisse der Insel lüften wollen.

Fazit

Alles in allem muss ich als Fan des Spiels sagen, dass der Film der Vorlage in keiner Weise gerecht wird. Er versagt an grundlegenden Punkten der Story, die meiner Meinung nach einfach umzusetzen gewesen wären. Der Zuschauer, der das Spiel nicht kennt, wird mit vielen unbeantworteten Fragen zurückgelassen. Es fehlt an emotionaler Tiefe, die im Spiel trotz der actionreichen Geschichte mehr als genug vorhanden ist. Auch und vor allem wer einen Film in der Qualität wie Indianer Jones erwartet hätte, wird ebenfalls eher enttäuscht sein. Aber wenn man die Fan-Augen schließt und den Film einfach als Popkornkino betrachtet, kann er auch einen Filmabend lang unterhalten. Man darf nur eben keine Logik oder Sinnhaftigkeit erwarten, sich auf opulente Action freuen – dann kann dieser Film durchaus auch gut ankommen. Mir hat er nur mit sehr viel Abstrichen gefallen. Man kann ihn sich aber angucken. Er bleibt trotz aller aufgezählter Kritikpunkte noch immer der bislang beste Tomb Raider Film den ich gesehen habe.

Wertung

Story 6.0

Darsteller 8.0

Kamera & Effekte 8.0

Erwartungen erfüllt 6.0

68%

"TMDB" Wertung ( Stimmen)

Fan-Box

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Autorin dieses Blogs

Nerderlei Autorin Anne
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Anne

Seit 1984 ist Anne ein Vollblut-Nerd und seit 2017 Autorin des Blogs Nerderlei. Sie schreibt über Filme, Videospiele, Comics und Romane der Genres Science-Fiction, Cyberpunk und Fantasy, aber auch über Technikneuheiten (z.B. künstliche Intelligenz oder Virtual Reality) und Merchandising-Artikel. Dazu gibt es jeweils Reviews, Blogbeiträge bzw. Meinungsartikel und News. Besonders im Fokus werden dabei u.a. folgende Marken stehen: Disney, Star Wars, Star Trek, Marvel, DC. Weitere Informationen zum Blog oder zum Nerderlei-Werdegang der Autorin findest du hier.

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