Wonder Man: Was kann die neue Marvel Spotlight Serie von Disney Plus? (Spoilerfreie Kritik)
Seit dem 27. Januar 2026 kann man alle 8 Folgen der neuen Marvel “Spotlight” Serie Wonder Man auf Disney Plus bingen. Lohnt sich das? Was bietet die neue Serie und kann sie das “Spotlight-Versprechen” diesmal einhalten? (Wer es nicht kennt: Spotlight steht bei Marvel für Serien, die ohne Vorwissen aus dem MCU geschaut und verstanden werden können und die auch für sich alleine stehen sollten)
Das und mehr in meiner spoilerfreien (!) Kritik zu Wonder Man (nehme nur Bezug auf Handlungsstränge/Figuren, die im Trailer schon genannt wurden).
Erstmal: Ja, es ist eine Marvel-Serie, aber eigentlich keine “Superhelden-Serie”. Viel mehr begleitet man ambitionierte Schauspieler, die entweder ab einem Punkt gescheiterte Existenzen sind, oder noch nie eine Chance wirklich umsetzen konnten, um erfolgreich zu werden, aber dem großen Traum nachjagen. Man erhält dabei eine sehr menschliche Geschichte mit allen Höhen und Tiefen und blickt etwas hinter die Kulissen von Hollywood, aber dabei immer mit einem Hauch von “Marvel” in der Story. Denn der Clou ist, dass der Protagonist zwar normaler Schauspieler ist, aber Superkräfte hat, was aber Schauspieler nicht haben dürfen aus speziellen Gründen, weshalb er es geheim halten muss, was dann zu gewissen Verwicklungen führt, schon weil die “Damage Control” ihn ins Visier genommen hat und auf Beweise hofft, um ihn einzukassieren. Ziemlich spannende Idee! Gefiel mir sehr gut. Wirklich extrem empfehlenswert auch für Leute, die Superheldengeschichten nicht so interessant finden. Es ist mehr ein spannender Buddy-Movie mit komödiantischen Ansätzen hier und da, bleibt aber trotzdem gut auf dem Boden und hat auch eine schöne Message.
Wie schon in der Einleitung gesagt, ist es ein “Marvel Spotlight”, weshalb es für sich alleinstehend funktionieren soll - das, finde ich, trifft leider nur bedingt zu. Man sollte Iron Man 3 gesehen haben, um alle Anspielungen auf den “Mandarin” zu verstehen und wieso das so belastend für Trevor Slattery (erneut toll gespielt von Ben Kingsley) ist. Diese Lücke versucht die Serie Wonder Man zwar durch Rückblenden etc. zu schließen, aber schafft es nicht gänzlich. Die Emotionen kann man denk ich weit besser greifen, wenn man bereits weiß wer Trevor bzw. der Mandarin ist.
Die Damage Control ist ein weiterer wichtiger Punkt, der vor allem dann einen Mehrwert liefert, wenn man “Spider-Man: No Way Home” oder “Ms. Marvel” gesehen hat, weil dadurch nicht nur die Organisation bekannt ist, sondern auch ein leitender Agent, der besonders in Wonder Man jetzt eine tragende Rolle erhält. Aber sollte man jetzt zum ersten Mal von der Organisation erfahren, ist es auch nicht weiter schlimm. Es tut der Serienhandlung keinen Abbruch. Man versteht trotzdem sehr gut, was die Organisation will und wieso, allein durch die vorliegende Geschichte.
Wie fand ich es denn nun?
Schauspielerisch finde ich es besonders auf der Protagonisten-Seite sehr stark. Die Dynamik zwischen Trevor und Simon ist cool umgesetzt und sehr charmant. Der Antagonist hingegen... bleibt, wie für Marvel leider üblich, sehr blass, auch wenn man die Organisation und ihre Motivation ausreichend erklärt. Ich denke, hier hätte auch mehr Screentime gut getan - 8 x knapp 30 Minuten für die Folgen sind einfach etwas schmal, auch wenn es sich nach mehr angefühlt hat, weil doch recht viel passiert. Es gibt keine Zeit für Langeweile, aber man muss sich eben auf die Geschichte einlassen wollen. Ein MCU typischer Action-Bombast ist es definitiv nicht. Für manche könnte es etwas langweilig anmuten oder anstrengend, weil es eben dialoglastig ist, was ich eher als positiv werten würde, weil gut geschrieben.
Optisch hält man sich diesmal mit CGI etc. sehr zurück, ist hier ja aber auch (zum Glück) nicht nötig. Wenn es mal zum Einsatz kommt, sieht es meist ok aus, bis auf eine Szene, da wirkt es seltsam. Inhaltlich hat es mir sehr gut gefallen, hab ich ja schon angedeutet. Eine interessante Serie mit schöner Message und sympathischen Leuten, die ich sehr gerne in einer Staffel 2 wieder sehen würde.
So viel zur Serie.. aber ich muss diesmal Disney Plus als Plattform auch kritisieren.
Ich habe den Standard-Tarif, ohne Werbung, aber trotzdem erhielt ich vor JEDER einzelnen Folge eine Werbung zu Disney Plus Eigenproduktionen, was einen beim Bingen von 8 sehr kurzen Folgen extrem nervt und einen jedesmal rauszieht. Hätte man es vor der ersten Folge, die man an diesem Tag schaut, so gemacht: ok. Aber bei allen 8, die jeweils nicht mal 30 Minuten lang sind, wenn man Vor- und Abspann abzieht?! Ernsthaft?! Wäre die Serie nur halb so gut, hätte mich das am Bingen gehindert und ich hätte es vllt sogar abgebrochen. Weil es tierisch nervt. Da zahlt man schon den teureren Tarif, um eben vor Werbung verschont zu werden, und dann ballern sie einen doch mit Werbung zu. Finde ich doch etwas hmm ärgerlich einfach. Und es ist schade, dass es diese tolle Serie scheinbar so massiv trifft, dass sie diesen neuen Weg mit Werbeeinblendungen gehen. Ich hoffe sehr, das schmälert nicht die Viewzahlen, die zur Erfolgsmessung dienen und den Weg für Staffel 2 bereiten könnten oder eben verbauen. Das wäre extrem schade.
Fazit zusammengefasst zu Wonder Man
Positiv
- Story reisst mit, ist spannend und charmant erzählt
- Schauspiel überzeugt
- Schöne Message
- Weit mehr als “nur” Superhelden-Story und auch für Leute geeignet, die da gar nichts mit anfangen können
- Inszenierung überzeugt weitestgehend, bis auf eine merkwürdige Szene
Für manche vllt. wichtig (für mich kein Kritikpunkt, eher im Gegenteil)
- Kaum Action, viel Dialoge
- Alle Folgen zu Release verfügbar
Negativ
- Folgenlänge etwas kurz (<30 Min.) - 8 Folgen insgesamt
- Antagonist sehr blass
- “Spotlight-Versprechen” kann nicht eingelöst werden - Vorwissen ist ein klarer Vorteil weiterhin
- Werbung vor jeder Folge, trotz werbefreiem Tarif
Meine abschließende Wertung in den einzelnen Bereichen
Gesamtwertung